Peter Abaelard
Scito te ipsum [Ethica]. Erkenne dich selbst
Lateinisch-Deutsch. Übersetzt, mit einer Einltg. und Anmerkungen hrsg. von Philipp Steger. Abdruck des von R.M. Ilgner edierten Texts aus Corpus Christianorum Continuatio Mediaevalis 190 mit freundlicher Genehmigung des Editors und des Verlags Brepols, Turnhout.
PhB 578. 2006. XCIV, 178 Seiten.
978-3-7873-2000-4. E-Book 32.00
In seiner "Ethica" erhob Abaelard (1079–1142) das Gewissen des Einzelnen zum obersten Kriterium für die Beurteilung der Moralität einer Handlung; diese Ausgabe bietet den berühmten Text erstmals in deutscher Übersetzung.
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In dieser zwischen 1135 und 1139 verfaßten Schrift, der er zwei Titel gab: Ethica oder Scito te ipsum (Erkenne dich selbst), erörtert Abaelard die Frage nach dem Guten und dem Bösen, vor allem aber erstmals die Bedeutung des Gewissens für die Selbstbestimmung des Menschen.
Er unterscheidet zwischen der Schwäche des Menschen, die durch Selbstbeherrschung überwunden werden kann, und der Sünde, die darin besteht, sich den eigenen Schwächen zu unterwerfen. Seine These, das Gewissen sei die oberste Instanz der Moral und die Moralität oder Verwerflichkeit einer Handlung bestimme sich daher aus der Gesinnung des Handelnden, führte ihn zu der Folgerung, daß derjenige, der böse handelt, ohne es doch selbst zu wissen, dadurch noch nicht schuldig wird - sondern erst dann, wenn er entgegen besserer Einsicht, die ihm aufgegeben und möglich ist, das Böse wählt.
Diese Behauptung stieß bei den Zeitgenossen und der Kirche auf Kritik und führte (neben anderen Punkten seiner theologischen Lehre) zur Verurteilung Abaelards auf dem Konzil von Sens (1141); wirkungsgeschichtlich gewann sie gleichwohl große Kraft und Bedeutung, da durch diesen Gedanken die überkommene Doxa, allein der Verstoß gegen moralisch geltende Regeln gebe den Maßstab dafür ab, ein Individuum der Sünde zu bezichtigen, dahingehend zu relativieren, daß nur der sich schuldig macht, der auch wußte, daß er eine Verfehlung begeht.
Aus diesem Grund zählt die Schrift zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur. Die Ausgabe präsentiert sie erstmalig in einer vollständigen deutschen Übersetzung. Beigegeben sind der lateinische Text und eine kompetente Einleitung, die die besondere Stellung dieser Schrift im Gesamtwerk Abaelards prägnant vor Augen führt.
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"Der Autor bemüht sich um ein ansprechendes, modernes Deutsch [...]. So fühlen sich auch junge LeserInnen sicher angesprochen."
Prof. Dr. Gerhard Zecha
"Insgesamt ist mit dem vorliegenden Band eine ausgezeichnete Grundlage zur Neu- bzw. Wiederentdeckung der Ethik des Petrus Abaelardus in historischer und systematischer Perspektive gegeben."
Prof. Dr. Gerhard Krieger
"Dieser Text ist ein Meilenstein in der Entwicklung der philosophischen Analyse des sittlichen bewußtseins. Es ist dem Meiner Verlag zu danken, daß er nun auch in einer sehr guten Übersetzung zusammen mit dem lateinischen Original zur Verfügung steht."
Prof. Dr. Matthias Lutz-Bachmann
"Die Einleitung […] zeugt von umfassender Kenntnis und kritischer Editionsarbeit."
Dr. Ulrich Dierse
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