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Zur Gestalt der Publikationen des Meiner Verlages
Bei der Veröffentlichung philosophischer Texte, gleichgültig ob es sich um Monographien, Zeitschriftenaufsätze, Sammelbände, Lehr- oder Wörterbücher, Einführungen, Nachschlagewerke, Studien- oder Leseausgaben, historisch-kritische Editionen, 'Gesammelte Schriften' oder 'Ausgaben letzter Hand' handelt, kommt neben der inhaltlichen Qualität auch einer angemessenen Form der Werkpräsentation grundlegende Bedeutung zu.
Dies betrifft a) die Struktur, d.h. Anordnung und Gestalt der Bestandteile der jeweiligen Publikation, wie z.B. von Text und abstract, Gliederung, Kolumnentitel, Paginierung, Zeilenzähler, Marginalien und Apparat, von Einleitung, Anmerkungen, Anhang, Nachwort und Kommentar, ebenso von Übersichten, Glossar, Registern, Verzeichnissen, Tabellen, Abbildungen etc., die zu einem sinnvollen und für die Vermittlung des Inhaltes förderlichen Ganzen gefügt werden müssen, und b) die technischen Merkmale der Veröffentlichung, wie z.B. Format, Satz, Druck, Farbe, Papier, Umschlag, Prägung, Vorsatz, Kapitalband, Kopfschnitt, Lesebändchen und andere Orientierungshilfen, Beilagen, die buchbinderische Verarbeitung und die dabei verwendeten Materialien (Bezugsstoffe, Kleber, Kartonagen, usf.), die allesamt die Haltbarkeit, den Nutzen und den ästhetischen Wert der Publikation wesentlich beeinflussen.
In allen sechs Programmbereichen des Verlages "Philosophische Bibliothek", "Nachschlagewerke/Lexika", "Monographien/Reihen", "Periodika", "Editionen/Werkausgaben" und "Sonderausgaben" kümmern wir uns also um den Inhalt wie um die Form, die einander wechselseitig bedingen sollen; denn es ist eine zentrale Aufgabe des Wissenschaftsverlages - über die bestmögliche Verbreitung seiner Veröffentlichungen hinaus - Leserinnen und Lesern adäquaten Zugang zu den Werken der Autorinnen und Autoren des Hauses zu ermöglichen, eine effiziente, nachhaltige und angenehme Lektüre zu gewährleisten und die jeweils spezifischen Erkenntnisinteressen zu berücksichtigen. Gerade die strukturelle, technische und ästhetische Beschaffenheit gedruckter Publikationen stellt immer wieder deren Konkurrenzfähigkeit, wenn nicht sogar Überlegenheit anderen Medien gegenüber unter Beweis.
Je nach Texttypus stehen bei der gestaltenden Aufbereitung und Anordnung der verschiedenen Werke diverse Möglichkeiten zur Verfügung. So kommen bei Monographien, Leseausgaben oder historisch-kritischen Editionen je unterschiedliche Hilfsmittel für die detaillierte Erschließung in Betracht. Obligatorisch sind Inhaltsverzeichnis, Kolumnentitel, Register und Literaturangaben, die Gehalt und Struktur eines Werkes sowie seinen Kontext verdeutlichen, einen raschen Einstieg in die Lektüre sowie eine weitergehende Beschäftigung mit dem jeweiligen Gegenstand ermöglichen. Einleitung, Anmerkungen, editorische Berichte und Kommentare geben u.a. Aufschluss über die Textbearbeitung, stellen den historisch-systematischen Zusammenhang her oder führen in die Thematik ein.
Andere Hilfsmittel sind z.B.:
1. seitenweise, abschnittsweise oder fortlaufend gesetzte Zeilenzähler. Sie schaffen eine Verbindung zwischen Bezugsstelle, Apparat(en), Kommentar oder auch zu den Anmerkungen.
2. bei Texteditionen die Mitführung der Paginierung und Seitentrennung auch verschiedener überlieferungsgeschichtlich bedeutsamer Ausgaben, um ältere Zitate auffindbar und Querverbindungen zu anderen Forschungsarbeiten möglich zu machen.
3. Apparate, Verzeichnisse und Glossare geben u.a. Hinweise auf die Textkonstitution, Quellen, Parallelstellen, Bearbeitungsstufen, terminologische Entscheidungen und die verwendete Literatur.
Format, Einband, Materialien und viele andere technische Ausstattungsmerkmale eines gedruckten Werkes werden durch die Erfordernisse der Textpräsentation, die Konzeption einer Reihe bzw. der einzelnen Veröffentlichung, die vorgesehene Verwendung und nicht zuletzt unter ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt. Die Studienausgaben der "Philosophischen Bibliothek" erscheinen z.B. immer im handlichen Format 12,2 cm x 19,0 cm, die historisch-kritische Ausgabe "G.W.F. Hegel, Gesammelte Werke", die sehr komplex angelegt ist, im repräsentativen Lexikonformat 18,5 cm x 27,5 cm und die Bände der "Blauen Reihe" mit richtungweisenden Texten heutiger Autoren im praktischen und preisgünstigen Taschenbuchformat 13,0 cm x 21,0 cm.
Das Layout, d.h. die Anordnung von Haupttext, Pagina und Kolumnentitel, ggfs. von Zeilenzähler, Marginalien, Fußnoten sowie weiteren editorischen Beigaben auf der Seite werden in Schrift, Schriftgröße, Satzspiegel, Zeilenfall etc. auf die herrschenden Erfordernisse abgestimmt, wobei besonderes Augenmerk der guten Lesbarkeit gilt. Ein Reihentitel oder eine Monographie unterliegt in satztechnischer Hinsicht anderen Anforderungen als eine Studienausgabe oder eine historisch-kritische Edition. Ausgehend vom zentralen Text werden alle ergänzenden Elemente in abgestufter Ordnung so platziert, dass eine optimale Übersichtlichkeit gewährleistet wird, um müheloses und rasches Erfassen komplexer Inhalte und Zusammenhänge zu ermöglichen.
Bei der Drucklegung kommen stets die modernsten Verfahren und nach neuesten Erkenntnissen hergestellte Materialien zum Einsatz. Digitaldruck bleibt dabei wegen noch nicht hinreichend nachgewiesener Haltbarkeit die Ausnahme. Bereits seit Mitte der 90er Jahre, gleich nach Einführung der Norm DIN ISO 9706 zur Festlegung der Kriterien für Alterungsbeständigkeit, werden alle Titel des Verlages auf entsprechend konditionierten Papieren gedruckt, deren Fasern zudem nach den geltenden Richtlinien aus chlorfrei gebleichtem Zellstoff hergestellt wurden. Seit Ende 2007 hat unser bevorzugter Papierlieferant sein gesamtes Programm nach FSC zertifizieren lassen, so dass die Rohstoffe aller zum Einsatz kommender Inhaltspapiere den Forderungen von sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten bei der Nutzung von Naturgütern entsprechen.
Der weitaus überwiegende Teil der bei Meiner erscheinenden Druckwerke, mit Ausnahme von Zeitschriften und einigen Sonderausgaben, wird im aufwändigen, auf besondere Langlebigkeit hin angelegten Verfahren der Fadenheftung hergestellt. Nur in besonders begründeten Fällen kommen Klebebindung oder Fadensiegelung zum Einsatz. Auch die Auswahl der Klebstoffe spielt für die Haltbarkeit und Nutzerfreundlichkeit (Aufschlagverhalten) eine entscheidende Rolle. Gewöhnlich wird deshalb Dispersionsleim eingesetzt, der die vorteilhaftesten Eigenschaften aufweist.
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